Brennpunkt Pflege: Schöner Beruf, harter Beruf?

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen e.V. (ADS) über die Situation der deutschen Pflege und den drohenden Pflegenotstand.
Pflege ist ein schöner Beruf, Pflege ist ein harter Beruf: Mit ca. 1,3 Millionen Menschen stellen Pflegekräfte die größte Berufsgruppe im deutschen Gesundheitswesen, sie bilden in Kliniken, Heimen und Pflegediensten das Rückgrat der Patientenversorgung. Dabei klaffen Anspruch und Wirklichkeit der Pflege seit Jahren immer drastischer auseinander, weil trotz Gesundheitsreformen und Pflegeversicherung viele grundlegende Probleme des deutschen Gesundheitswesens ungelöst geblieben sind –die Leidtragenden sind Patienten/Bewohner und ihre Pflegekräfte. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), die größte berufsständische Interessenvertretung der Gesundheits-und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflege, und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen e.V. (ADS) beobachten die aktuelle Entwicklung in der deutschen Pflege daher sehr genau und mit großer Sorge: Durch ihre Mitglieder können beide Organisationen heute die sicher genaueste Zustandsbeschreibung der Situation in der Pflege liefern –und ebenso konkrete Zukunftskonzepte und –perspektiven für die Pflege von morgen entwickeln.Doch Handeln tut not: Immer mehr Pflegende legen ihren Beruf aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen in Deutschland nieder oder müssen wegen überlastungsbedingter Erkrankungen aufgeben.
Daran haben die bisherigen staatlichen Ansätze zur Reform des Gesundheitswesens nichts geändert.
Eine der tieferen Ursachen liegt vornehmlich darin, dass Einnahmen und Rücklagen des Staates bzw. der Sozialversicherungssysteme nicht mehr ausreichen, um den gewohnten Standard in vielen Bereichen der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung nicht mehr ausreichen. Viel Geld wird auch nach wie vor durch Über-und fehlversorgung vergeudet. In der Pflege dagegen soll mit immer weniger Mitteln immer mehr geleistet werden.
Pflege ist ein harter Beruf: Die tägliche Arbeitsbelastung von Pflegekräften hat vielerorts ein solches Ausmaß erreicht, dass Pflegende nicht nur immer häufiger krankheitsbedingt ausfallen und oft  chronisch erkranken, sondern auch, dass kaum jemand in diesem Beruf bis zum regulären Renteneintrittsalter arbeitsfähig bleibt. Diese Entwicklung ist umso dramatischer als das Pflegepersonal in Deutschland im internationalen Vergleich ohnehin über dem Durchschnittsalter liegt und aus Kostengründen die Personalbemessung immer stärker ausgedünnt wurde. So arbeitet heute in der Kliniken knapp zwanzig Prozent weniger Pflegefachpersonal als vor einigen Jahren, im gleichen Maße sind dagegen Planstelle für Mediziner ausgeweitet worden. Hier hat es deutliche Verschiebungen von Budgets zulasten der Pflege gegeben.
Diese Gesamtentwicklung hat in vielen Regionen, vor allem in Ballungsräumen oder grenznahen Gebieten, bereits zu einem erheblichen Pflegefachpersonalmangel und Pflegenotstand geführt. Pflegefachpersonen und Pflegenachwuchs werden in Deutschland dringend gebraucht und gesucht, aber die Verantwortlichen tun kaum etwas, um dieses Problem zu lösen, im Gegenteil. Ausbildungsplätze wurden abgebaut, Löhne gesenkt, in der Konkurrenz mit anderen Berufen hat die Pflege ein schlechtes Image und ist wegen ihrer schlechten Arbeitsbedingungen unattraktiv. Verschärft wurde diese Entwicklung durch den Trend zu Dumpinglöhnen in Dienstleistungs- und Frauenberufen, Privatisierungen, Ausstieg aus Flächentarifverträgen und das Absenken bzw. Aushebeln der Fachkraftquote.
Vor diesem Hintergrund fordern DBfK und ADS eine radikale Umkehr, um einen neuen drohenden Pflegenotstand zu mindern bzw. noch abzuwenden. Dafür bedarf es allerdings einiger Jahre Vorlaufzeit. Ideen, Modelle und Ziele hat der DBfK in seinem „Aktionsprogramm 2020“ konkret formuliert.
Beide Verbände setzen sich in Politik, bei Kostenträgern und Wirtschaft aktiv für eine Neugestaltung pflegerischer Ausbildung ein. Denn der Pflegeberuf kann wieder ein Beruf mit Zukunft werden: Die demografische Entwicklung in Deutschland wird mittel- und langfristig zu einer Überalterung unserer Gesellschaft führen; wegen der steigenden Lebenserwartung, niedrigen Geburtenraten und einem Strukturwandel in der Gesellschaft (durch die steigende Zahl von Single-Haushalten und Patchwork-Familien und zunehmende Berufstätigkeit von Frauen nimmt der Pflegebedarf durch ambulante Pflegedienste oder in Heimen zu, die Pflege durch eigene Familienangehörige ab), schließlich aufgrund des mit der Altersverschiebung einhergehenden Anstiegs chronischer Erkrankungen, Multimorbidität und dementieller Erkrankungen werden wir künftig weit mehr professionell Pflegende brauchen als heute.
Hinweis: Spannende und konkrete Erfahrungsberichte von Pflegenden finden Sie in der DBfK-Broschüre „Brennpunkt Pflege. Zur Situation der beruflichen Pflege in Deutschland“.
http://www.dbfk.de/download/download/brennpunkt-pflege.pdf Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. Alt - Moabit 91, 10559 Berlin
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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Krankenpflege, der Altenpflege und der Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN). Mehr
Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke können Sie auf der Homepage www.dbfk.de